Worauf es am Muttertag wirklich ankommt

Erdnussbutterglas neben einem Teller mit Toastscheiben und einem Messer drauf
Photo by cottonbro on Pexels.com

Am Sonntag war Muttertag. Für mich der beste seit langem.

Wenn du meinen Blog schon ein Weilchen verfolgst, oder mich persönlich kennst, weißt du, dass meine Mutter und ich ein nicht gerade einfaches Verhältnis haben. Für Söhne und Töchter wie mich, ist der Muttertag deshalb häufig alles andere als spaßig.

Schon Tage und Wochen vor dem eigentlichen Spektakel haben diverse Discounter ihr Angebotssortiment auf diesen Tag abgestimmt. Es gibt Schmuck, Pralinen und Blumensträuße, die uns helfen sollen, unseren Müttern gegenüber Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Karten mit Sprüchen darauf wie Best Mom ever oder Beste Mama der Welt.

Was aber, wenn Mama eben nicht die Beste ist? Wenn Verletzungen und Enttäuschungen tief im Herzen verankert sind und einem einfach nicht nach Danke sagen zu Mute ist? Vielleicht auch, weil man nicht so recht weiß wofür…?!

Wir halten unseren Müttern ja auch nicht einmal im Jahr ihre Fehler vor, die genauso präsent sind wie die Dinge, für die wir dankbar sind. In vielen Mutter-Kind Beziehungen vielleicht sogar überwiegen.

Das heißt nicht, dass ich meiner Mutter nicht dankbar bin, oder dass ich sie nicht trotzdem gerne habe. Aber kann ich meine Dankbarkeit nicht dann zum Ausdruck bringen, wenn es wirklich von Herzen kommt und nicht, weil die Blumenindustrie und Gesellschaft mir diesen Zwang auferlegen?

Da hätten wir doch beide mehr von.

Belassen wir es jedoch beim Muttertag, sollte es dann nicht auch einen Kindertag geben? An denen wir (erwachsenen) Kinder gefeiert werden, weil wir trotz aller Schwierigkeiten in der Kindheit unseren Weg gefunden haben und im besten Fall zu starken und selbstbewussten Erwachsenen herangewachsen sind? An dem sie sich vielleicht auch mal für Fehler entschuldigen und den Verletzungen und Enttäuschungen stellen, die sie bereitet haben?

Wäre doch mal ein spannendes Experiment. Und das sage ich auch als Mutter und nicht nur als Tochter. Denn meinem Kind die Freiheit zu geben, auch negatives Feedback geben zu dürfen und damit nicht nur gehört sondern vor allem verstanden und respektiert zu sein, kann für ein gutes Verhältnis doch nur förderlich sein.

Oder wir machen es wie die Väter am Vatertag: Wir treffen uns einfach mit anderen Müttern und feiern uns gegenseitig ;).

Zurück zum Muttertag, weiß meine Mutter ja auch, dass unser Verhältnis nicht immer leicht ist. Dass ihre Krankheit sie daran hindert, die Mutter zu sein, die sie gerne (gewesen) wäre. Vielleicht hat sie deshalb an diesem Tag auch nie viel von uns erwartet und hat sich schon über eine kurze Textnachricht gefreut.

Und generell muss ich ihr wirklich zu Gute halten und habe es bestimmt auch schon mal hier erwähnt: Sie stellt so gut wie keine Ansprüche an uns. Sie freut sich immer über Kontakt und macht uns nie Vorwürfe, wenn sie mal eine Weile nichts von uns hört, auch wenn ich mir sicher bin, dass sie sich über mehr immer freuen würde. Sie erwartet keine Geschenke, Blumen, oder Karten. Sie freut sich, wenn man zum Kaffeetrinken Kekse oder Kuchen mitbringt, und wenn man einfach da ist :). Und damit nimmt sie viel Druck heraus und bringt viel Entspannung in die Mutter-Kind Beziehung hinein.

Und so entspannt war der Muttertag in diesem Jahr. Meine Schwester hatte sich schon einige Tage zuvor bei meiner Mutter angemeldet und ich habe mich kurzer Hand angeschlossen, ohne dass wir meiner Mutter davon erzählt haben. Am Sonntag sind wir dann einfach zusammen bei ihr durch die Tür spaziert, mit einem riesigen Glas Erdnussbutter in der Hand (die liebt sie nämlich), und ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ihr die Freude übers ganze Gesicht geschrieben war. Eine bessere Überraschung hätten wir ihr vermutlich kaum bereiten können.

Während der Mole also mit seinem Papa einen wunderbaren Vatertag verbracht hat, haben wir drei Frauenzimmer (wie meine Mutter so gerne sagt) einen wunderbaren Nachmittag verbracht, mit viel Kaffee (wie immer bei uns), Strawberry Cheese Cake, Keksen und guten Gesprächen. Über Gott und die Welt. Dinge, über die wir vorher noch nie gesprochen haben. Gestern, Heute und Morgen. Meine Mutter war so gut drauf wie schon lange nicht mehr und wir haben es alle drei sehr genossen. Und das ist doch das, worauf es ankommt am Muttertag.

Und auch jetzt, wenn ich dran denke, muss ich noch immer schmunzeln. Wie sie in ihrem Chaos doch ihre ganz eigene Ordnung hat, wie sie über die eigenen Marotten lachen kann. Wie der Kühlschrank voller Leckereien ist – simpel aber doch bewusst ausgewählt. Wie sie überall kleine Mutmacher in ihrer Wohnung verteilt hat. Lachende Gesichter in den Kalender gemalt oder in Magnet-Form am Kühlschrank. Ihre unzähligen Bücher, darunter viele Klassiker. Und wie sie sich über ein mitgebrachtes Glas Erdnussbutter so sehr freuen kann, obwohl sie noch drei unangebrochene auf Reserve hat.

Irgendwie war es heimisch und gemütlich. Einfach schön. So wohltuend. Für uns alle drei.

Und als ich abends wieder zu Hause war, kam auch schon die Nachricht:

„Danke, dass du mit hier warst, ich habe mich wirklich mega gefreut. War doch auch mal wieder schön, euch beide allein hier zu haben.“

Ja das war es wirklich.

Danke, Mama!

+++

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