Biografien-Lieblinge

Astrid Lindgren Biografie neben Teller mit Schokokuchen und Kaffee
by themolecule

Ich lese gerne. Ich habe auch eigentlich schon immer gerne gelesen. Allerdings hat sich mein Büchergeschmack über die Jahre etwas verändert. Als ich so in der 7./8. Klasse das Lesen nochmal neu für mich entdeckt habe, da waren es überwiegend Romane, auch mal ein Krimi, gerne auch amerikanische Literatur und tatsächlich auch die deutschen Klassiker. Damit bin ich einige Jahre ganz gut gefahren, bis ich irgendwann einfach keine Lust mehr hatte über fiktive Charaktere und ihre fiktiven Leben zu lesen. Ich fand es langweilig und irgendwie so ins Leere gehend.

Wahre Begebenheiten haben mich hingegen total fasziniert. Ich fand es einfach spannend, über die Leben anderer zu lesen, zu erfahren, was ihnen in welcher Zeit wie passiert ist und was sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie geworden sind. Und das ist bis heute so. Seit Jahren verteidigt mein absolutes Lieblingsgenre eisern die Spitze meines Interessengebiets in der Bücherwelt: Die Biografie(n). Ich finde sie inspirierend, ermutigend und sie machen mir immer wieder deutlich, dass wir doch alle nur Menschen sind, mit allem was dazu gehört.

Deshalb stelle ich euch hier die letzten drei Biografien vor, die ich gelesen habe. Alle drei sind die Biografien von Persönlichkeiten, die alle auf ihre Art und Weise Einfluss auf ihre Mitmenschen genommen haben. Ich fand sie alle drei wirklich gut und absolut empfehlenswert!

Michelle Obama – Becoming

In dieser Biografie schreibt die Protagonistin selbst ihre Geschichte auf, von der Kindheit bis zur Gegenwart – ihr Werdegang vom kleinen ehrgeizigen Mädchen, das im Süden von Chicago in einer schwarzen Wohngegend groß wird, bis hin zur First Lady von Amerika. Dabei schreibt sie sehr nahbar, demütig, intelligent und ehrlich. Der Leser/die Leserin erhält Einblicke in ihre familiären Hintergründe, wie sie Barack kennenlernt, dass Kinder kriegen auch eine Geduldsprobe sein kann, wie engagiert und entschlossen sie als Mutter und First Lady ist, über Sorgen, Frust, Herausforderungen und Erfolge.

Natürlich geht es auch um Barack Obama, um die acht Jahre im Weißen Haus aber auch die Zeit davor. Was es für die Familie bedeutet Wahlkampf zu betreiben, den Vater und Ehemann mit der ganzen Welt zu teilen, an Sicherheitsvorkehrungen gebunden zu sein und trotzdem zu versuchen, seinen Kindern ein ganz normales Leben zu ermöglichen. Außerdem lernt man noch ein wenig über Amerika, über das Garten-Projekt im Weißen Haus, über Fettleibigkeit bei Kindern und Gun-Violence in Chicago. Und Michelle schildert auf eine sehr bewegende Art und Weise emotionale Hintergründe, die man im Fernsehen so gar nicht vermittelt bekäme. Wie ihr Mann in seiner Rolle als Präsident mit Schießereien umgeht, wie gewissenhaft und bedacht er sein Amt ausübt und wie sehr beide, Michelle und Barack, versuchen, ihre Zeit im Weißen Hause so gut es geht zu nutzen und so viel wie möglich für ihr Land zu erreichen.

Ich habe das Buch verschlungen und kann sehr empfehlen, es als Audioversion und in Originalsprache anzuhören, dann liest es nämlich die Autorin selbst vor, was dem Ganzen nochmal einen gewissen Charme verleiht. Gegenwärtig lese ich Barack Obama’s A Promised Land, was auch nicht schlecht ist, sich aber im Wesentlichen auf seine politische Laufbahn fokussiert (es gehört aber auch nicht direkt in die Kategorie Biografie, weshalb der Vergleich zugegebenermaßen etwas hinkt). Wer nicht ganz so politisch interessiert ist, braucht an der ein oder anderen Stelle sicher etwas Durchhaltevermögen, obwohl der Autor durchaus humorvoll und gut lesbar schreibt. Michelle hingegen schreibt sehr allumfassend und das mag ich eben sehr gerne.

Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet (Eric Metaxas)

Selbst wer „es mit der Kirche nicht so am Hut hat“, wie viele Leute gerne sagen, hat sicher schon einmal von Dietrich Bonhoeffer gehört. Und nicht nur für bekennende Christen, sondern auch für ebendiese Personen, kann seine Biografie in jedem Fall spannend und inspirierend sein. Mich hat das Buch sehr bewegt und mitgerissen. Ich fand es zum einen sehr spannend, wie die Familie Bonhoeffer gelebt hat, welchen Einfluss Vater und Mutter auf ihre Kinder hatten und welche Werte im Hause Bonhoeffer großgeschrieben wurden. Ich fand außerdem total interessant, wie Anfang des 20. Jahrhunderts gereist wurde, auch über Europa hinaus, und über die Zeit im Ausland zu lesen, da Auslandsaufenthalte für die damalige Zeit ja eher eine Seltenheit und dementsprechend besonders waren.

Und dann natürlich Bonhoeffers Rolle im nationalsozialistischen Deutschland, seine Überzeugungen, sein Sinn für Gerechtigkeit, sein unermüdlicher Kampf für einen aufrichtigen und biblischen Glauben und gegen das, wofür die Deutschen Christen (DC) standen. Sein Drang Menschen zu erreichen und das Richtige zu tun. Seine Zeit im Gefängnis, seine Verlobung, seine scheinbare Gelassenheit und seine inneren Ängste. Auf der anderen Seite erhält man Einblicke in den Aufstieg Hitlers, wachsende Spannungen, zunehmende Gewalt, Attentate auf Hitler und grausame Menschenversuche in Konzentrationslagern.

Das Buch ist wirklich sehr genau recherchiert, spannend, packend, inspirierend und schockierend wie faszinierend. Und obwohl der Protagonist dieser Biografie ein sehr gläubiger Mensch war, darf sich in jedem Fall eine breite Leserschaft angesprochen fühlen. Absolute Empfehlung!

Astrid Lindgren – Ihr Leben (Jens Andersen)

Pippi Langstrumpf, Die Kinder aus Bullerbü und Immer dieser Michel. Mit diesen Zeitgenossen sind wir fast alle aufgewachsen und haben ihre Geschichten verschlungen. Haben uns über den ein oder anderen Streich von Michel kaputtgelacht und über Pippis Stärke und Großzügigkeit gestaunt. Jeder, der auch nur ein einziges der Kinderbücher von Astrid Lindgren gelesen hat, wird schnell feststellen, dass die schwedische Autorin ein absoluter Kinderfreund war.

Gebt den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe, dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein.

Astrid Lindgren

Staunen verursachen könnte allerdings die Information, dass die Autorin, die Anfang des 20. Jahrhunderts geboren ist, eine kleine Rebellin war. Mit jungen 18 Jahren wurde sie von einem deutlich älteren Mann schwanger, der noch dazu nicht ihr Ehemann war (was damals verheerend gewesen sein muss). Diesen Mann hat sie jedoch in die Wüste geschickt und sich dank ihrer Willensstärke ein eigenes Leben aufgebaut. Ihre Autoren-Karriere begann eigentlich erst in ihren 40ern. Sie hat ihren Ehemann nach 20 Jahren Ehe verloren und danach noch 40 Jahre ein wunderbares Leben geführt.

Die weltberühmte Autorin ist eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Von ihren Erfahrungen als junge Mutter gezeichnet und der emotionalen Herausforderung dieser Jahre geprägt, schreibt sie ihr ganzes Leben Kinderbücher über starke, freche, großzügige, liebenswerte, warmherzige Kinder mit besonderen Makeln und Fähigkeiten. Eine beeindruckende Biografie! Für Filmliebhaber gibt es auch noch eine tolle Verfilmung (Astrid), die wirklich gut gelungen ist, jedoch nur die jungen Jahre der Autorin abbildet.

Der Lockdown hält ja noch ein bisschen an, vielleicht findet sich ja ein wenig Zeit zum Lesen 🙂 ++

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